2022 Bühnenbild „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ (G.E. Lessing)
Es spielten: Sophie-Marie Hertel, Lisa Wilfert, Felix Haiduk, Florian Lange, Tobias Mayer, Christian Strobl
Inszenierung: Isabella Hertel-Niemann
Bühnenbild: Dominique Bräuer + Crew
Bühnenbild-Assistenz: Cecile Quast
Assistenz: Ryan Behrendt
Technik: Jonathan Deges
Fotos: Dominique Bräuer, Friederike Blum, Jonathan Deges
Die Premiere fand am 22.07.2022 in der Kulturwerkstatt KAOS, Wasserstraße 18 im Rahmen des KAOS-Kultursommer mit insgesamt 10 Vorstellungen statt.
Ein Bühnenbild für Lessing
Nach dem Siebenjährigen Krieg (Preußen vs. Sachsen) wurde 1763 der Frieden von Hubertusburg in Wermsdorf beschlossen. Hier startete unser Bühnenbildprojekt Ende März 2022.
Mit Lessings „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ im Gepäck erkundeten wir die Nachkriegszustände des Barocks und Rokokos im Übergang zur Aufklärung (Klassizismus), ihre Vertreter*innen und die wesentlichen Gedanken, die sich durch das Design der Zeit lesen lassen.
Lessing, der in Leipzig seine Liebe zum Theater entdeckte und der elterlichen Tradition des Theologie Studiums den Rücken kehrte, außerdem als Sachse viel in Preußen arbeitete, war ein überzeugter und mit ironischem Humor gewürzter Vertreter der Aufklärung.
Die Minna von Barnhelm, eine emanzipierte Frau ihrer Zeit, trifft in einem bekannten Wirtshaus auf ihren verlobten Major Tellheim. Das Gasthaus steht in Berlin und gab es zu seiner Zeit tatsächlich gegenüber vom Palast des Preußischen Königs. Lessing nennt es „Der König von Spanien“, ein aufgeklärter Monarch, wie Friedrich II. von Preußen.
Wie die Soldaten im Stück hatte das Projekt kaum Budget, um Requisiten oder Material zu besorgen. Hieraus ergab sich ein tieferer Sinn in unserem Design. Sieben Jahre Krieg. Arbeitslose gehobene Soldaten. Eine reiche Frau. Es geht um Liebe. Es geht um Geld. Es geht um Ehre, aber auch um das Menschsein und die „ganz normalen“ Berufe. Somit haben wir eine Ästhetik entwickelt, aus dem, was wir gefunden haben und uns gespendet wurde. Der Prunk des Rokoko wurde abgelegt, aber auch nicht vergessen. Das was bleibt, ist die Fassade, die Dekoration.
Wir haben das Material benutzt, um Chaos anzuordnen; eine Theke gebaut, einem abstrakten Speiseraum im Wirtshaus „männliche“ Symbole der Jagd untergeschoben, einen Kronleuchter aus Kronkorken kreiert und Minna, die einzige mit Geld, in edle weiche Kissen gebettet und in den Himmel zu priesen; So ist das Zimmer fast nur ein Himmelbett.
Aber auch die Barhocker wurden selbst geschmiedet und geschweißt und der Bettbezug via Blätter von Reben bedruckt. Die Kerzenständer, die Theke und alles andere sind Upcyclingprodukte geworden. Das Design-System, das uns ins Hier und Jetzt katapultiert und aktuelle Nachhaltigkeits,- Gleichberechtigungs- und Inflationsdebatten etc. aufgreift.
Das Projekt wurde gemeinsam mit sieben jungen künstlerisch interessierten Teilnehmer*innen durchgeführt und war dank einer Förderung des Kulturamtes Leipzig und des Stadtbezirksbeirats Alt-West möglich und für die Teilnehmenden kostenlos.