Stage Design 2021

Bühnenbild „Der eingebildete Kranke“ (Molière)

Es spielten: Sophia Albinsky-Müller, Sophie-Marie Hertel, Maria Turskiy, Lisa Wilfert, Felix Haiduk, Florian Lange, Tobias Meyer, Christian Strobl

Inszenierung: Isabella Hertel-Niemann

Assistenz: Marlene Schmitzer

Bühnenbild: Dominique Bräuer + Crew

Bühnenbild-Assistenz: Cecile Quast, Tim Conitz

Technik: Joseph Naumann

Song: Simon Leisterer-Peoples

Fotos: Dominique Bräuer, Friederike Blum, Maria Schüritz

Die Premiere fand am 25.08.2021 in der Kulturwerkstatt KAOS, Wasserstraße 18 im Rahmen des KAOS-Kultursommers statt. Es folgten 9 Vorstellungen.

Die Pille zum Glück

Bühnenbild „Der eingebildete Kranke“

Ein starkes und kreatives Team von 10 Jugendlichen (14-25 Jahre) traf sich seit Mitte April – Mitte August 2021 aller zwei Wochen und überlegte zu Zeiten einer Pandemie, wie und in welche Umgebung ein Mensch, der eingebildet krank ist, lebt und agiert.

Die zugestaltende Herausforderung galt dem Salon, dem Repräsentations- und Empfangsraum, und in welche Zeit man Molières Komödie aus dem Versailler Mauern in die Moderne holt? Eine Zeitreise mit Parallelen, mit extravaganter Kleidung, einem verschwenderischen Lebensstil und die ersehnte Auflehnung gegen das Patriachat – die 60er Jahre beginnen! Zwar war das Konzept der 60er revolutionär beworben, sah es in den meisten Wohnzimmern doch anders aus.

Somit beschäftigten sich die Nachwuchsdesigner*innen nicht nur mit dem Theater zu Molières Zeiten, sondern ließen sich vom Interior Design der 60er Jahre inspirieren. Allen voran ging Verner Panton, der nicht nur das Wohnzimmer neu konzipierte. Er schuf mit seinen organischen Formen ein neues Lebensgefühl; Abhängen als Zeitvertreib… und nichts anderes macht ja runtergebrochen der eingebildete Kranke. Mit diesem Design in Plastik, Flokatiteppich und Organza wurde das Space Age Design eingeleitet.

Zu kombinieren galt es somit die Ästhetik von Krankheit und Hygiene mit den organischen Formen und Materials aus dieser zukunftsorientierten Zeit: Wie das Theater selbst, das „Wohnzimmer“ zeitlos werden zu lassen und mit dem herrscherischen Charakter des Protagonisten irgendwie auch nicht zum Verweilen einzuladen, wurde eine Fiktion von klinischen Chic.

Erste Skizzen entstanden, zeitgleich näherten sich die Teilnehmer*innen dem Material Kunststoff und 3D-Modelle wurden entworfen. Neben der Bühnenverkleidung (MDF-Platten, Fichte Unterkonstruktion) wurden die Hängeleuchten aus Aluminiumblech per Hand in Form getrieben, Röntgenbilder per Siebdruck auf Plexiglas gedruckt und mit LEDs hinterleuchtet, Organza-Vorhänge selbst genäht, ein 1:1 Modell aus Styropor und Gips des Stuhls angefertigt, der als Herzstück, als Ohrensessel und Zahnarztstuhl anmutet, aus einer 1x200x100cm großen Acrylglasplatte mit Heißluftfönen in Form gebracht und auf einem Kugellagersockel verschraubt. Die Minibar wurde ebenso extra für das Stück entworfen und Stahlseilverankerungen an den Wänden der Bühne angebracht. Ein Zwiebelmuster aus Klebefolie verläuft von der unteren Tür bis zur oberen, eine geweißte Bühne und ein Hauseingang mit lila Flurpodest, führen die Besucher*innen des Hauses zum Kranken in den Salon.

Im Anschluss der Deniere am 04.09.2021 wurden verschiedenste Bühnenelemente versteigert. Nicht versteigerte Objekte wurden im Sinne der Nachhaltigkeit zur Gestaltung des Außengeländes innerhalb der Projekt- und Kursarbeit genutzt und sind somit allen Besucher*innen der Wasserstraße 18 frei zugänglich.

Dank einer Förderung des Kulturamtes Leipzig für Kulturelle Bildung und viel ehrenamtliches Engagements der Assistenzen und Projektdurchführenden war das Projekt für alle Teilnehmenden kostenlos.

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